GTA IV: Ultimative Review
Die PC-Version von Grand Theft Auto IV ist vor zwei Wochen erschienen. GTA IV Info freut sich, den Ultimative Review präsentieren zu dürfen.

Vor dem Release der PC-Version präsentierte euch GTA IV Info seinen Ultimativen Preview mit allen Fakten und Informationen. Nun ist Grand Theft Auto IV seit mehr als zwei Wochen im deutschen Handel erhältlich und wir konnten es ausgiebig testen. Dies hat unser Redakteur Johannes auch getan und für GTA IV Info den Ultimative Review geschrieben. Viel Spaß!
ich möchte euch heute meine Meinung über GTA IV mitteilen. Ich weiß, dass ich ein Niemand bin, dessen Meinung keinen interessiert, aber das Internet gibt mir die Möglichkeit, meinen Senf überall zu verteilen und verdammt noch mal, warum soll ich das nicht nutzen?
Aaaalso:
Nachdem das Teil anfangs so große Probleme gemacht hatte, und ich die zerkratzte DVD von der Straße aufgehoben hab, auf die ich sie in meiner Wut geschmissen hatte, stellte es sich hinterher als recht ordentliches Spiel heraus. Die Handlung ist ganz in Ordnung, die Grafik auch. Am Sound könnte man noch arbeiten und wirkliche Freiheit hat der Spieler auch nicht. Aber an sich ist GTA IV ein solides Spiel, das man nach fünf bis sechs Stunden durchgezockt hat.
Entschuldigung, tut mir wirklich leid, Ihnen sowas zuzumuten, aber der Absatz oben ist der Versuch, mich selbst zu zügeln. Manchmal muss man Dinge einfach runtermachen, damit man selbst daneben nicht allzu schlecht aussieht. Die Wahrheit ist: GTA IV ist das Überspiel. Die Wahrheit ist: Seitdem das Spiel draußen ist, mache ich Gott Vorwürfe, dass ich nicht so geil sein kann, wie der neuste Teil dieser Reihe. Ich frage „Gott, warum kann ich nicht so gut aussehen, wie GTA IV?“ „Gott“, frage ich, „warum gibst du mir nicht die Freiheit, die mir GTA IV gibt?“ Ich sehe nach oben und brülle „Gott, warum kannst du mich nicht 300 Punkte beim Bowling werfen lassen, so wie ich es in GTA IV darf.“
Ja, in GTA IV darf man bowlen gehen. Man darf Billard spielen oder ein paar Darts werfen. Und das wahlweise allein, oder mit Figuren aus dem Spiel. Ein Anruf genügt und die Typen warten vor der Haustür, bis sie abgeholt werden. Anruf, ach ja, am Anfang der Story erhält der Spieler ein Handy. Nettes Gimmick, denke ich, eine Mission mit Handy zu machen, ist ja mal lustig. Nach fünf Minuten war ich überrascht. Das Handy ist wichtiger Bestandteil von GTA IV. Ohne es gäbe es kein Hauptmenü. Viele Missionen wären nicht möglich. Rockstar hat dieses kleine Teil perfekt ins Spiel integriert. Ich drücke Tab und das Telefon erscheint, ich navigiere durch das Hauptmenü des Dings oder ich wähle über das Tastenfeld eine Nummer, die ich entweder kenne oder auf irgendeinem Plakat in der Stadt gesehen habe. Oder ich verabrede mich zu Dates mit Frauen, die ich aus dem spielinternen Internet kenne. Eine ist auf der Fahrt zu einem netten Restaurant leider… verunfallt. Ich hatte meinen schicksten Anzug angezogen, den ich in einem der vier Kleidergeschäfte für nicht wenig Geld gekauft hatte. Ich hatte mir ein nettes Motorrad besorgt, eins von diesen schnellen Dingern, mit denen man Eindruck schinden kann. Schließlich geht es beim ersten Date ja um den Eindruck. Ich bin zu ihr gefahren und sie war begeistert. Das erste was sie sagte war: „Du fährst ja Motorrad, wie cool.“ Das Zweite: „Deine Klamotten sehen echt schick aus, du verdienst wohl viel Geld?“ Ich war begeistert und während ich mit ihr über ihren Job redete (sie war Krankenschwester), wollte ich sie mit ein paar Wheelies beeindrucken. Die Wheelies klappten super und als wir über die Brücke in ein anderes Viertel fahren wollten und die Mautstation vor uns auftauchte, da sah ich meine Chance, sie endgültig von meiner todesverachtenden Waghalsigkeit zu überzeugen. Ich drehte am Lenker, beschleunigte auf wahnwitzige Geschwindigkeiten, rauschte an der Schlange vor der Mautstation vorbei, brach dem Vordersten den Arm, den er gerade zum bezahlen aus dem Fenster gestreckt hatte und krache durch die geschlossene Schranke.
Ich dachte dabei, dass ich ein verdammt harter Mann bin. Dummerweise war die Schranke härter. Sie riss uns vom Motorrad, schleuderte uns zu Boden und der Kerl, dem ich den Arm gebrochen hatte, der Kerl, der vor Schreck das Gaspedal durchgetreten hatte, der fuhr über mein Date.
Und das einzige, was ich tun konnte war, „Boah, wie krass“ zu rufen, laut zu lachen und F2 zu drücken, um die letzte Minute als Video mit dem integrierten Video-Editor zu speichern.
GTA IV ist DAS Spiel.
Grafik rockt. Wenn ich an die früheren GTA-Teile denke, mit ihren verwaschenen Texturen und kantigen Objekten, dann muss ich lachen. Als ich GTA IV auf der Xbox gesehen habe, musste ich auch lachen. Auf dem PC habe ich mich sofort verliebt. Es ist nicht so heiß, wie Crysis, aber verdammt nah dran. Und mal ehrlich: Würden Sie die dumme Frau mit Doppel-D-,oder lieber die willige Intellektuelle mit D-Körbchen nehmen? Ich meine, nur für den Fall, dass man doch mal reden möchte… falls man das jemals wollen würde… Egal! GTA IV: Echtzeitschatten auf Umgebung und Objekten, beeinflusst von Sonnenstand und meinen Scheinwerfern (sieht verdammt cool aus, wenn ich langsam durch eine Gasse fahre und die Menschen und Gegenstände riesige Schattenmonster an die Wand werfen, wie in einem Film Noir). Echtzeitspiegelungen in metallischen Gegenständen und bei Regen auch auf der Straße. Im Meer ja sowieso, das glitzert dazu aber noch ganz herrlich. Meer ist sowieso ein guter Stichpunkt, GTA IV berechnet mir Wellen. Wenn ich ins Wasser stürze, werden physikalisch korrekte Wellen erzeugt, ebenso, wenn ich mit dem Boot unter Brücken entlang pflüge oder einfach nur, wenn es Sturm gibt.
Die Gebäude sind detailliert gestaltet. Keins sieht aus, wie ein anderes, Liberty City ist die Stadt der Originale. Überall finden sich gestochen scharfe Werbeplakate. Und überall sieht es aus, wie im echten Leben. Gut, ich war noch nie in New York, aber nach dem, was ich aus Spider Man kenne, haben die Leute bei Rockstar das große Vorbild ganz gut getroffen. Nachts leuchtet alles lustig bunt. Und wenn was explodiert, dann rumst es schön und alle, die es sehen, müssen „Ooooh“ und „Aaaah“ rufen, weil es so toll aussieht. Und dann fliegen Menschen und Autos und Gegenstände physikalisch korrekt durch die Gegend und das größte Highlight ist immer, wenn ein Außenstehender von den Trümmern erschlagen wird.
Der Sound haut mich auch um. Es hupt und rumst und dröhnt und überall reden Leute. Jedes Gespräch ist anders und es ist herrlich, einem Pärchen nachts auf einem Spielplatz zuzuhören, wenn sie brüllt „No, fuck you, I don’t want you back!“ und er erwidert „But I can’t live without you!“. Natürlich gibt es wieder unzählige Radiosender und ein großes Ärgernis aus den Vorgängern ist in GTA IV behoben: Es gibt einen Hardcore-Sender! Freude! Aber auch für die Warmduscher ist Musik dabei, da gibt es Jazz, Rock, HipHop, Electro. Das alles in drei verschiedenen Ausführungen und wem das zu öde ist, der hört sich die Sender an, auf denen nur diskutiert wird (was – mit etwas Englischkenntnis – sehr sehr lustig sein kann, manchmal stand ich stundenlang auf dem Parkplatz, weil ich unbedingt hören wollte, was der Hippie über die Pharmaindustrie zu sagen hat). In Tunnels schallt alles schön und in Cafés und Läden spielen die Radiosender leise im Hintergrund.
Aber nur, wer sich mal die Mühe macht, ein Stückchen zu Fuß zu gehen, der wird auf die wirklich liebevollen Details treffen. Links von mir klingelt ein Handy, ich wende den Kopf und sehe einen Kerl, der sein Telefon aus der Tasche holt und anfängt, über ein Video bei Youtube zu reden. Weiter vorn kauft sich einer einen Hotdog an einem entsprechenden Stand, wird von einem Vorbeigehenden angerempelt und lässt sein Würstchen fallen (also das zum essen!). Wenn es regnet, spannen die Leute ihre Schirme auf oder halten sich eine Zeitung über den Kopf. Bei schönem Wetter setzen sie sich auf Bänke und genießen den Tag (macht besonders Freude, die Sitzenden umzufahren, die laufen nicht weg, außerdem lassen sich die Bänke lustig in Einzelteile zerlegen).
Da sind Straßenkehrer und Leute mit Einkaufstüten (die fallen lustig zu Boden und Orangen kullern umher, wenn man sie anrempelt) und Yuppies mit Kaffeebechern aus Pappe und alte Männer mit Saxophon stehen an U-Bahn-Haltestellen und spielen für Geld.
Es gibt Auffahrunfälle an besonders gefährlichen Kreuzungen und Kurven und die Betroffenen steigen aus ihren Autos und schreien sich gegenseitig an oder rennen weg. Wenn ich einem sein Auto stehle, dann zieht er sein Handy und ruft die Polizei an, während sich sein Kumpel auf dem Beifahrersitz zusammenkrümmt und schreit, wie am Spieß.
Und wenn ich dann losfahre und einen Unfall verursache, verbiegt sich meine Karosse realistisch, verliert ein paar Teile und geht irgendwann aus und lässt sich nicht mehr starten. Wenn ich gar zu wild fahre, fängt der Wagen Feuer und explodiert, wie aus den Vorgängern gewohnt, aber viel schöner.
Wenn ich weiterfahre und man mir einen Reifen zerschießt, dann schält der sich irgendwann von der Felge. Wenn ich im Wagen angeschossen werde, gibt es feine Einschusslöcher im Glas und im Metall. Fahre ich gegen eine Wand, weist diese Wand hinterher deutliche Spuren einer Kollision auf und fahre ich gegen einen Menschen, dann fliegt der physikalisch korrekt durch die Gegend und Blut klebt an meinem Wagen.
Wenn ich also an den ersten Teil des Spiels denke, an die bunte Grafik und die Draufsicht, dann hat sich einiges geändert. Und trotzdem ist alles gleich geblieben. Wie bei einer guten Band. Immer noch darf ich durch eine riesige Welt fahren und wahllos Leute totschießen. Mit jedem Nachfolger jeweils auf einem höheren Niveau. GTA IV setzt diesen Kernaspekten des Spiels nun die Krone auf. Die Fahrsequenzen sind anfangs zwar gewöhnungsbedürftig, sobald man aber einmal das Untersteuern und den richtigen Handbremseneinsatz beherrscht, ist es schwer, im echten Leben noch auf legale Art und Weise zu fahren. Die Autos steuern sich alle unterschiedlich und halbwegs realistisch. Die Schießereien sind exquisit. Ich erinnere mich an die Vorgängerspiele, in denen ich hilflos einer Übermacht aus Polizisten gegenüberstand und alle schossen und nur ich traf nicht. Jetzt suche ich mir Deckung hinter Wänden, Bänken und Autos, ziele in aller Ruhe und höre immer nur „HEADSHOT!“ Sehr sehr geil. Und immer wieder denke ich nur eines:
GTA IV ist DAS Spiel. Und das wird mir klar, bevor ich die Handlung überhaupt angefangen habe. Im Grunde braucht es keine Handlung. Es ist schon cool genug, an einem langweiligen Abend mit Freunden ein Bier zu trinken und das alte Spiel „Wer tot ist, gibt ab“ auf GTA IV anzuwenden. Die meisten der Screenshots hier (vor allem die interessanten) sind so entstanden.
Und obwohl Rockstar wusste, dass GTA IV keine Handlung braucht, allein die Welt des Spiels jeden überzeugen würde, haben die Programmierer eine Story eingebaut, die Max Payne alt aussehen lässt. Inzwischen weiß wohl jeder, wer Niko Bellic ist und was er in Liberty City zu suchen hat. Jeder kennt die Hauptfiguren des Spiels, die vielleicht etwas zu stereotyp, dafür aber unglaublich charmant und liebenswert sind (außer Packie, ich warte auf die Gelegenheit, ihn bei einem Besuch im Strip-Club umzulegen, ich kann den Hooligan nicht leiden). Brucie mit seinem Alpha-genetisch-überlegen-Tussie-Geschwätz und seiner Gangster-Attitüde. Little Jacob, mit seinen Joints. Wenn er nach einer Fahrt die Tür aufmacht, steigt der Qualm aus dem Auto nach oben. Roman mit seiner Spielsucht und seinen Problemen mit der Freundin (Spoiler: Wie habe ich mich gefreut, als sie mich auf dem Handy anrief und mir erzählte, er hätte ihr einen Antrag gemacht). Neben coolen Figuren wartet die Handlung aber auch mit vielen Wendungen und Verstrickungen auf. Da ist der mit einem anderen Verwandt und dieser will, dass ich jenen umbringe, während jener genau das Gegenteil von mir verlangt. Manchmal wird der Spieler vor Gabelungen gestellt, an denen er zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden muss. Ob das die Story wirklich beeinflusst, weiß ich nicht, aber solche Entscheidungsmomente sind immer cool und geben dir das Gefühl von Freiheit.
Neben ihrer Spannung wird die Geschichte des Spiels auf originelle Art und Weise vermittelt. Die Filmszenen sind kinoreif und die Dialoge schlagen Mario Barths Witze um Längen (nicht, dass das schwierig wäre… gut, war vielleicht kein guter Vergleich… sagen wir… irgendein anderer Komiker). GTA IV lässt sich so nebenbei über unsere moderne Gesellschaft und die westliche Kultur aus. So hat die Statue of Happiness zwar viel Ähnlichkeit mit der Freiheitsstatue, hält statt einer Fackel jedoch einen Starbucks-Becher in der Hand. Das Spiel nimmt sich selbst nicht wirklich ernst und springt mit der Welt um, als wäre sie ein großer Witz. Oder wissen Sie von jemandem, der zum Bewerbungsgespräch bei einem Staranwalt geht, diesen Anwalt umlegt und dann ungeschoren davonkommt?
Als ich die Story angefangen hatte, habe ich mir gedacht „Gut, fein, das sieht ja alles schön und gut aus, aber die Hauptmissionen hab ich doch sowieso in drei Tagen durch.“ Fehlanzeige. Jede Mission spielt sich zwar in gut 15 bis 20 Minuten, jedoch gibt es fast unendlich viele davon. Ich habe nach 30 Missionen aufgehört, zu zählen und in eine Komplettlösung geguckt. Da fand ich heraus, dass ich gerade die Hälfte des Spiels geschafft hatte. Und seither haben die Missionen nichts an Abwechslung verloren. Ich muss Banken ausrauben und mich zu Fuß durch von Polizisten bewachte Straßenzüge ballern. Ich muss wilde Verfolgungsjagden absolvieren und mit Scharfschützengewehren von Häuserdächern gezielte Schüsse anbringen. In muss Lastwagen mit Drogen klauen und einen Leichenwagen zum Begräbnis fahren. Und wenn mir das zu blöde wird, mit Story und dem ganzen Kram, kann ich eine von tausenden von Nebenmissionen erledigen, die alle ebenso abwechslungsreich sind, wie die Hauptmissionen.
Und ich sage es nochmal: GTA IV ist DAS Spiel.
Wenn es nicht ruckeln würde.
Ich weiß ja nicht, was man sich bei der Programmierung gedacht oder was für Über-Rechner man zur Verfügung hatte, aber bei mir ruckelt’s wie Sau. Oft läuft das Teil bei 30 fps, ab und zu stürzen die Bilder jedoch ab und ich schlage und schieße und fahre mit 9 Bildern pro Sekunde. Wie auf Koks. Auch der schnell nachgereichte Patch ändert nicht wirklich viel daran. Schade eigentlich, denn deswegen werde ich zum Einen von meinen Freunden ausgelacht (weil ich sonst mit meinem Rechner immer so angebe), zum Anderen drückt das den Spielspaß ganz schön. Kann ja nicht so schwer sein, das Ding so zu schreiben, dass mein Arbeitsspeicher optimal genutzt wird. Momentan scheint es, als würde das Spiel alle RAM-Sticks zuballern und nichts davon löschen. So kommt es auch, dass Geländer, Texturen oder gar Bordsteinkanten nicht richtig geladen werden und ich manchmal in eine verschwommene, lieblose, undetaillierte Welt hineinfahre. Dann stoppt mein Wagen und brennt und ich wundere mich, gegen was für ein unsichtbares Hindernis ich gefahren bin und erst nach einer Minute erscheint die Mauer, die den Durchgang versperrt, durch den ich fliehen wollte. Idiotisch.
Aber irgendwie macht es mir nichts aus. Irgendwie ist es gar nicht schlimm, so ein paar Fehler in Kauf zu nehmen. Wenn Sie alle positiven Aspekte des Spiels auf eine Waagschale legen und alle negativen, wie die Installation, den Rockstar Social Club, Games for Windows Life und die Ruckler legen Sie auf die andere Waagschale, dann pfeift die Schale mit den guten Aspekten zu Boden und bricht durch bis China.
GTA IV ist das Überspiel überhaupt. Im Grunde habe ich 45 Euro für eine Lebenssimulation ausgegeben, die ab und zu mal ruckelt. Na und? Mein richtiges Leben ruckelt viel öfter!
Erinnern Sie sich an dieses Bild aus dem Internet mit einer ganz süßen Anime-Dame links und einer fetten Cosplay-Frau rechts? Und darunter stand „Real Life sucks.“
Im Grunde könnte man diesen Spruch unter jeden Screenshot des Überspiels schreiben. GTA IV ist das, was man sich immer wünscht. GTA IV erfüllt dem Spieler die Träume, zu deren Erfüllung er im realen Leben keinen Mut hat.
Sie wollen in ein Ferrari-Autohaus gehen, bei einem der Flitzer die Scheibe einschlagen, ihn kurzschließen, durch die Scheibe brechen und abhauen? Sie wollen mit Freunden einen heben und danach noch durch die Stadt cruisen? Sie wollen einen Hubschrauber stehlen? Sie wollen von einem Hochhaus springen? Sie wollen Billard spielen können? Sie wollen in einem Strip-Club auf die Bühne steigen und dann alle Security-Penner umhauen? Sie wollen endlich mal kulturell sein und ins Kabarett gehen? Sie wollen mal sehen, wie ein Raketenwerfer funktioniert? Sie wollen riesige Autounfälle mit Explosionen und Toten überleben? Sie wollen Anarchie? GTA IV macht alles möglich.
Und auch die Weicheier kommen auf ihre Kosten. Wer schon immer mal einen Straßenverkehrsordnungs-Trainer brauchte oder wer immer wissen wollte, wie man Frauen kennenlernt, der ist bei GTA IV richtig. Oder wollen Sie Ihr eigenes Leben nachspielen und stundenlang vor dem Fernseher oder dem PC hocken? Kein Problem, GTA IV kommt mit eigenem – scheinbar ewig langem – Fernsehprogramm, eigenem Internet und sogar Videospiele gibt es.
Irgendwie schon fast krankhaft, oder? Wozu brauchen wir eigentlich noch das reale Leben oder Second Life, wenn wir GTA IV haben? Zumal GTA IV jetzt von Anfang an mit sehr gutem Multiplayer-Modus erscheint, wir unsere Freunde also nicht mal mehr zu uns einladen müssen, um Spaß zu haben.
Es tut mir ja leid, normalerweise bin ich der letzte, der an Spielen nichts auszusetzen hat, aber naja… GTA IV gibt mir kaum Gelegenheit zum Nörgeln.
Halt! Doch! Wo sind meine Überlandfahrten aus San Andreas? Wo sind Flugzeuge und wo sind Wälder und so ein Zeug? Warum gibt es nur noch eine Insel mit Stadt? Bin ich hier auf Corroscant? Warum darf ich keine Wohnungen und Geschäfte mehr kaufen? Ich will doch Liberty City besitzen. Wo soll ich mit meinem ganzen Geld hin und wo sind die Glücksspiele, bei denen ich so leicht 999.999.999.999 Mark verdienen konnte? Ein bisschen muss ich davon weinen. Ein bisschen fehlen mir die hohen Berge und die Fallschirme, die auf jedem Gipfel auf mich warteten. Ich würde Niko gern ein paar coole Tatoos gönnen und eine Rasur und einen Haarschnitt täten ihm auch mal gut. Und warum habe ich nur vier Kleiderläden? Wo sind meine Baggypants, wo sind meine schwarz-pinken Emoklamotten und wo ist ein schicker Ausgehanzug (ja, Anzüge gibt es, aber mit denen würde ich nicht mal im Real Life auf die Straße treten)?
Es gibt immer Dinge, die man vermisst. Bei einigen versteht man, dass sie es nicht ins Spiel geschafft haben, bei anderen greift man sich an den Kopf (und greift ins Leere, Anm. d. Autors). Im Grunde hat GTA IV alles, was es braucht. Alles, was ich vermisse, sind unwesentliche Details, die das Spiel nicht wirklich verbessern oder ändern würden. Im Grunde ist GTA IV perfekt. WENN ES NICHT RUCKELN WÜRDE!!!
Und jetzt kommen diese Idioten und sagen mir, dass die Fahrphysik bei Need for Speed aber besser sei. Die Schießereien seien bei Far Cry aber realistischer. Diese Idioten sagen: „Die KI beim Billard ist viel schlechter als die von meinem Billard-Simulator. Sprungeinlagen sind in Mirror’s Edge aber besser in Szene gesetzt.“ Diese Idioten nölen: „Wenn ich die Arbeit der Feuerwehr übernehmen möchte, spiel ich aber lieber Emergency. Wenn ich Frauen daten will, dann bin ich bei den Sims 2 aber besser bedient.“ Und dann sagen sie noch: „Und überhaupt, die Grafik vom Crysis rockt viel mehr.“
Sicher, GTA IV ist nicht der König der Shooter. Auch nicht der König der Rennspiele. Schon gar nicht der König der Lebenssimulationen und auch kein Bowling-, Billard-, Kabarett-, Fernsehshow-, Radiosimulator. Aber GTA IV strebt nach dem Thron all dieser Genres. Und das macht es verdammt gut. In Need for Speed kann ich nicht Bowlen. In den Sims kann ich nicht ballern. In Crysis kann ich nicht daten. Im Real Life kann ich gar nichts.
In GTA IV kann ich alles und ich muss noch nicht mal irgendwelche Konsequenzen tragen. Danke, Rockstar, für dieses Spiel, und mag es noch so ruckeln und euer Social Club noch so nervig sein, ich danke euch. Wäre ich christlich, ich würde die Religion zu GTArianisch wechseln!
PS: Und danke für den Hardcore-Radiosender!
Danke vor allem an dich Johannes, für diesen ausführlichen sehr unterhaltsamen und umfangreichen Review.
Tags: Details, Erfahrung, Grafik, GTA IV, Liberty City, Missions, Review, Rockstar Games, Social Club, Stadt, Story
















03. Januar 2009 um 13:07
Hi!
Sag mal, was hast du für ein System dass es ruckelt? Würde mich mal interessieren, weil ich mir GTA IV auch holen wollte =D